TIEFE BEUGESEHNE, ROTATION und HUFBEINDURCHBRUCH

ACHTUNG GEGENTHESE!

  • Die tiefe Beugesehne „zieht das Hufbein nicht herum“!
  • Sie ist nicht für Rotationen und nicht für Hufbeindurchbrüche ursächlich!

Gründe:

Immer wieder wird die am Hufbeinknochen ziehende tiefe Beugesehne als Ursache von Rotationen und Hufrehe genannt! Die Gründe, warum dies nicht so ist, möchte ich im Nachfolgenden kurz anreißen:

1 Sehnengleichgewicht

Die tiefe Beugesehne ist Teil im Strecker- und Beugeapperat des Pferdes. Sie befindet sich u.a. im Spannungsausgleich mit dem Fesselträger, so dass es bei einem waagerechten Hufbein zum Sehnengleichgewicht kommt. Erhöhen sich die Trachten mit der Folge eines steiler stehenden Hufbeines, lockert sich die tiefe Beugesehne. Das Pferd befindet sich dann nicht mehr im Sehnengleichgewicht und versucht dann sofort „nachzujustieren“ wie z.B. durch Muskelkontraktionen im Schulterbereich (Folgen sind steile Schulter, Krämpfe, Blockaden, Zerrungen, schlechte Gänge) oder ein Absinken des Fesselgelenks (welches dann schon an die Bärentatzigkeit erinnert). Ziel des Pferdes ist es die Funktion der Beugesehne zu erhalten und als Flucht- und Lauftier Dissonanzen zu kompensieren. Ein Teufelskreis für das Pferd beginnt, da die Ursache im Huf nicht abgestellt wird.

2 Hufbearbeitung

Das Pferdegewicht wird hauptsächlich über die Hufwand in den Boden abgetragen. Anatomisch umschließt die Hufwand den untersten Knochen im Pferdebein: das Hufbein.

Der Übergang von Hufbein zu Wandhorn bildet der Hufbeinträger/ die Lamellenschicht zwischen Hufbeinknochen und Wandhorn. Diese Übergangsschicht leitet das Gewicht aus dem Hufbeinknochen an das Wandhorn weiter. Eine sehr feste Verbindung und geniale Gewichtsverteilung, solange das Hufbein bodenparallel ist.

Wird das Hufbein z.B. im hinteren Bereich durch hohe Trachten oder tief in die Hufkapsel hineindrückende Eckstreben erhöht und damit aus dem Gleichgewicht gebracht, muss der vordere Zehenbereich mehr Gewicht aufnehmen. Der vordere Zehenbereich „überlastet“ und die Lamellenschicht entzündet sich. Die Entzündungen schwächen die feste Verbindung, so das sich die Lamellenschicht dehnt und nachgibt. Das Hufbein senkt sich im Zehenbereich ab. Rotation und Hufbeindurchbruch sind die Folge.

Diskurs

Beim Absenken der Hufbeinspitzes lockert sich die tiefe Beugesehne und das Pferd versucht die unter 1 beschriebenen Kompensationsmaßnahmen. Da jedoch die dauerhafte Überlastung des vorderen Hufbeinträgers zu Entzündungen und in der Folge zu einem Versagen führt, sinkt die Hufbeinspitze ab, so dass es zu Rotationen und Hufbeindurchbrüchen kommt.