ERFAHRUNGSBERICHTE

Erfahrungsbericht über Smirre/ Trakehner mit langjährigem Bockhuf

Mein Trakehner Wallach Smirre gehört meiner Familie seit etwa 10 Jahren, bereits als Saugfohlen haben wir ihn gekauft. Schon als Fohlen hatte er vorne rechts einen Bockhuf. Dieser wurde über die Jahre von einem Hufbeschlagsschmied gepflegt, stets stolz, dass der Huf doch schon toll aussähe, er würde sowieso immer steiler sein als der linke Huf. Alles andere würde die Sehne zu sehr belasten. Die Aussage habe ich nicht weiter hinterfragt.
Ich konnte mit meinem Pferd immer unbeschlagen auf Reitplätzen und im Gelände reiten. Meine reiterlichen Probleme hatte ich also nie mit den Hufen in Verbindung gebracht. Mit der Zeit war mein Pferd sehr schief geworden und reiterlich konnte ich es kaum noch schaffen, das Pferd auf einer geraden Linie zu reiten. In den letzten etwa 1,5 Jahren habe ich den Sattel überprüfen lassen, mein Pferd wurde chiropraktisch engmaschig behandelt, aber die Probleme wurden immer nur kurzfristig besser, nach einiger Zeit kamen sie alle wieder.
Ohne Probleme an den Hufen meines Pferdes zu erkennen, habe ich an einem Hufkurs des Equine Institutes auf Elisabeth Rothermels Hof teilgenommen und habe zum ersten Mal etwas über den gesunden Huf und seine Funktionen gelernt. Phrasen über den Hufmechanismus waren mir auch in meiner bisherigen Laufbahn in FN geprägten Ställen begegnet. Allerdings hat niemand diese Phrasen wirklich Ernst genommen und so habe auch ich ihnen wenig Beachtung geschenkt
Vor etwa 5 Monaten übernahm dann Elisabeth Rothermel die Hufpflege und konnte in nur zwei Terminen den „Bockhuf“ auf den gleichen Winkel schneiden, wie den gesunden linken Huf. Das ganze ging mit krassen körperlichen Veränderungen einher. Seine extrem überbemuskelte Schulter wurde anatomischer (da endlich das Sehnengleichgewicht im ehemaligen Bockhuf stimmt), zwischenzeitlich war er ein ganz schöner Spargel. Außerdem kamen durch die Umstellung die vorherigen Probleme, bedingt durch falsche Hufbearbeitung in der Vergangenheit, wieder hoch und eine osteopathische Behandlung wurde unabdingbar. Die behandelnde Osteopathin sprach mich auf den leider immer noch schmaleren ehemaligen Bockhuf an. Seine gesamten Blockanden und Verspannungen passten gut ins Bild. Smirre hatte immer sein ganzes Gewicht vorne auf den Bockhuf gestützt. Fehlbelastung und Bockhuf haben sich stets gegenseitig bedingt und verschlechtert.
Nach der ostheopatischen Behandlung, mit angepassten Training und mit der anhaltenden Hufbehandlung haben wir nun die gute Hoffnung, dass der „Bockhuf“ auch so breit wird, wie der linke Huf. Inzwischen hat Smirre auch eine tolle Oberlinie und gute Muskeln am Hals und der Kruppe aufgebaut. Er gefällt mir inzwischen besser als vor der Veränderung. Der Weg ist trotzdem nicht einfach und wird es wohl auch noch etwas dauern, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt! So konnte ich meinem Pferd schmerzhafte Huferkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparats ersparen, denn auch meine Ostheopathin warnte mich vor Arthrose, wenn Smirre nicht bald alle vier Hufe gleich stark belasten wird.
(von Ruth Heindl)

Erfahrungsbericht von Dr. Detlef Heindl

Seit etwa 45 Jahren, mit einiger Unterbrechung während des Studiums und der ersten Berufsjahre, bin ich mit dem Virus Pferd infiziert. Bereits 1976 kam das erste von mir gezogene Warmblutfohlen auf die Welt.
Der erneute „Ausbruch der Pferdekrankheit“ erfolgte mit dem Interesse meiner beiden jungen Töchter an der Reiterei. Wie sollte es anders sein! Nach einigen Jahren des Reitens auf fremden Pferden sollte musste Eigenes her. Das war jetzt vor mehr als 14 Jahren.
Die von uns 4-jährig gekaufte Warmblutstute LaConta von Lone Star zeigte einiges Dressurtalent und sollte zum Turnierpferd ausgebildet werden. Damit begann auch der ganze Frust, der etwa sechs Jahre anhielt.
Das Pferd wurde in eine Box gesteckt und auf der Vorhand beschlagen.
Keiner erklärte (und wir fragten auch nicht kritisch) warum? Das Pferd lief fast ausschließlich auf Sandboden in Halle und auf dem Reitplatz. Die Stute ging alle paar Wochen lahm und wurde behandelt. Es wurde eine Kronbeinfissur und später ein irreparabler Schaden am Fesselträger vorne links in einer sehr renommierten Pferdeklinik diagnostiziert: wahrscheinlich nicht mehr reitbar! Der Haustierarzt schob die andauernden Verletzungen auf die „schlechten Gene“, obwohl sie vom eigenen welterfolgreichen Springhengst stammte. Niemand kam auf die Idee: der Beschlag UND die „klassische Ausbildung“ des Pferdes könnten Schuld sein.
Die Stute ging mit einer Tochter nach Gießen in einen Offenstallplatz. Eisen ab, flaches Gelände, nicht geritten.
Was passierte nach etwa einem halben Jahr: das Pferd amüsierte sich in Nachbars Maisfeld! Keine Defekte am 130 cm hohen Zaun. Das Pferd musste drüber gesprungen sein, das mit dem Fesselträger!
Ein anderer, verständiger Tierarzt konnte am Fesselträger nichts klinisches feststellen. Also wieder das Reiten begonnen, jedoch barhufig.
Nachdem die Besitzer – Tochter auf berufliche Weltreise ging, übernahm ich die Stute. Wir haben dann eine junge Dame als Reitbeteiligung genutzt, meine Frau lernte auf LaConta reiten. Ein erneuter Umzug direkt zu uns nach Hause erfolgte. Ich sattelte nach fast 45 Jahren das Pferd wieder selbst.
Es empfahl mir der Hufbeschlagschmied einen Beschlag, da ich ins Gelände auf steinigen Wegen reiten wollte: wegen der flachen Hufe geht das nicht ohne Beschlag mit Platte!! Nicht nachgedacht, willigte ich ein.
Und dann: plötzlich erschienen Risse in der Hufwand, hauptsächlich an den vorderen Hufen mit Beschlag. Auf Anfrage beim Hufbeschlagschmied bekam ich die Antwort: macht nix!
Da beschloss ich, dass die Eisen ab müssen, nach etwa sechs Monaten des Beschlags. Das ist bis heute so geblieben.
In der Zwischenzeit hatte ich einen heute zehnjährigen und einen jetzt siebenjährigen Trakehner gezogen. Beide Wallache hatten nie Eisen an den Hufen. Zum 10 jährigen Smirre und seinen Hufproblemen wird meine Tochter Ruth an dieser Stelle berichten. Beide Pferde hatten noch nie irgendeine Lahmheit, das ist bis heute so.
Das muss doch was bedeuten, auch dass LaConta nach Abnahme der Eisen nicht mehr lahmte!
Also machte ich mich auf die Suche und fand die wissenschaftlichen Untersuchungen zur Anatomie und Physiologie der Hufe. Die Physik dahinter war für mich als Naturwissenschaftler absolut überzeugend.
Ich fand auch gleich ein Seminar des Equine Institut, das auf diesen wissenschaftlichen Ergebnissen die Hufbearbeitung gründet, eben hier bei Elisabeth Rothermel in Climbach. Meine Tochter und ich nahmen Teil und wir mussten erkennen, dass verschiedene Hufbeschlagschmiede unsere Barhufer völlig falsch und zum Teil auch schädigend versorgt hatten.
In der Woche nach dem Seminar machte sich Elisabeth an Smirre und Sisto, den Siebenjährigen, Ihre Kollegin Bettina an meine LaConta. Das ist jetzt sechs Monate her.

Fazit:
• über Smirre berichtet Ruth, da gab es Überraschungen positiver Art, die wir so nicht erwartet hätten. Aber auch viel Arbeit, da ein Bockhuf 10 Jahre lang falsch bearbeitet wurde und die Umstellung langwieriger ist.
• Sisto ist den vom Hufbeschlagschmied verursachten, steileren rechten Huf los. Er läuft blendend auf allen Untergründen. Er hat jetzt sehr schöne typische Trakehnerhufe.
• LaContas Risse in der Hufwand wachsen mit nach unten und verschwinden. Und , o Wunder, nach anfänglicher Fühligkeit wird sie auf den steinigen Wegen geritten und geht mit 18 Jahren ab wie Schmidts Katze! LaConta ist jetzt das achte Jahr lahmfrei und wir brauchen keinen Tierarzt mehr! LaContas Hufe sind nahe dem Gleichgewicht Zuwachs und Abnutzung.
Abschließend seien noch die Rahmenbedingungen aufgezeigt, wie wir unsere Pferde halten:
• Offenstallhaltung in Gruppen.
• Sommers 24 Stunden Weidegang.
• Deckenverbot!
• Keine!! Heulage oder Silage im Winter, Heu!
• Kein Industriefutter!
• Kraftfutter bestehend aus Bio- Luzerne-, Grünhafer- und Esparsette-Pellets, jahreszeitlich in der Menge angepasst. Karotten, Sellerie, Rote Beete, Pastinaken, Zucchini als Leckerli zu den Pellets. Kaum Äpfel oder sonstige säurehaltigen Früchte.
• Kräutermischungen im monatlichen Wechsel.
• Optimiertes Mineralfutter.
• Zusätzlich viel Bewegung, wenn nicht Reiten, dann Spazierengehen, mindestens 20-30 km wöchentlich auf harten Wegen, zumindest im Frühjahr/Sommer.
• Chiropraktik/Osteopathie sowie Zahnkontrolle jährlich.
Dr. Detlef Heindl