HUFBEINDURCHBRUCH

Diese und andere Meinungen bestehen dazu:

  • Die Lage ist hoffnungslos, nicht zu retten, keine Aussicht auf Genesung
  • Das Pferd muss eingeschläfert werden
  • Leiden nicht verlängern, Schmerzen ersparen
  • Spezialbeschläge, Orthopädische Beschläge
  • Fühliges Laufen, druckempfindliche weiche Sohle
  • Schmerztherapien und Nervenschnitt

Zu allererst: Ein Hufbeindruchbruch ist kein Grund zum Einschläfern. Nicht wenige meiner Therapiepferde kommen mit dieser Diagnose und die Besitzer sind zurecht “erschrocken”, wenn ihr gerade noch “austherapiertes Pferd” schon nach weniger Zeit gesund nach hause geschickt wird.

Dabei muss man sich doch fragen, wie ein solcher Hufbeindurchbruch entsteht und verursacht wird. Und ob es auch einen Weg „zurück“ gibt, denn schließlich hat sich das Hufbein doch auch irgendwie in diese Situation gebracht.
Ein Hufbeindurchbruch passiert in der Regel ja auch nicht „plötzlich“. Meist gibt es schon jahrelange Vorgeschichten wie Hufrehe, Hufrollenbefunde, orthopädische Beschläge, jahrelanges Lahmen, Therapien mit Polsterbeschlägen, Boxenruhe mit dickem Einstreu, tierärztlich festgestellte Hufbeinrotationen, Hufbeinabsenkungen, anderweitige typischen Rehebeschläge mit freischwebender Zehe und vielen mehr.
Und wenn dann ein Hufbeindurchbruch naht oder passiert ist, soll der Leidensweg vom Pferd (und dem mitleidenden und mittlerweile oft durch viele Maßnahmen „verarmten“ Besitzer) beendet werden. Das ist erstmal durchaus mehr als verständlich.

Warum aber obige Maßnahmen oft erfolglos das Symptom „bekämpfen“ und dass dem Pferd auch auf andere Weise geholfen werden kann, möchte ich nachfolgend erklären:

Ursache eines Hufbeindurchbruchs und der damit sehr oft in Verbindung stehenden Hufbeinabsenkung ist eine Schwächung des Hufbeinträgers.
Der Hufbeinträger ist die lamellenartige Verbindung zwischen der äußeren Hufwand und der Huflederhaut, die den inneren Hufbeinknochen umschließt. Die Lamellen sind in gesundem Zustand fest ineinander geschlungen und tragen einen Großteil des Pferdegewichtes in die Hufwand ab. Daher “Hufbeinträger”.
Ein gesunder Huf wird bei Belastung “auseinander gedrückt” und weitet sich. Bei Entlastung zieht sich der Huf wieder zusammen. Dies passiert bei jedem Schritt. Bei Belastung/  Weitung des Hufes nimmt das Volumen der Huflederhaut zu und saugt sich dabei voll Blut. Bei Entlastung des Hufes vermindert sich das Volumen der Huflederhaut, so dass das Blut wieder nach oben in den Körper gepumpt wird. Damit ist die Huflederhut bei jedem Schritt optimal durchblutet und führt zu einem optimalen Stoffwechsel.
Das Huf-Horn besteht aus Eiweißverbindungen. Dieses Eiweiß wird bei guter Durchblutung und damit gutem Stoffwechsel als Abfallprodukt aus dem Blut ausgeschieden und von der Huflederhaut in  Horn umgewandelt.
Dies bedeutet auch: Je mehr Schritte, desto Durchblutung, desto mehr Stoffwechsel und desto mehr und bessere Hornproduktion.
Damit ist auch erklärt, warum z.B. bei Boxenhaltung weniger Durchblutung stattfindet und damit die Qualität des Horns abnimmt.

Wird nun der lamellenartige Hufbeinträger z.B. durch eine Entzündung der Huflederhaut (Hufrehe) geschwächt, kann es quasi zu einer „Lamellenverlängerung“ bis hin zu einer Ablösung der Lamellen kommen.
Folge eines solchen Vorgangs können Hufbeinabsenkungen, Separationen oder Rotationen mit der weiteren Folge eines Hufbeindurchbruchs sein.

Die Entzündungen der Huflederhaut können toxischen oder mechanischen Ursprung haben.
Bei toxischer Ursache ist der Auslöser eine unverträgliche Änderung der Blutzusammensetzung (z.B. Futterrehe, Impfungen, Vergiftungen, Medikamente, sonstige Unverträglichkeiten). Das Pferd ist dann in der Regel auch auf allen vier Hufen lahm, da sich das Blut im ganzen Körper verteilt.
Mechanische Ursachen werden zumeist durch die Art der Hufzubereitung verursacht. Da das Pferdegewicht vermehrt auf den Vorderhufen lastet, machen sich die „Schwachstellen“ auch zumeist erst dort bemerkbar. Ein typisches Merkmal für eine mechanische Rehe ist z.B. die diagnostizierte Hufrehe nur an den Vorderhufen.

Bei einer Rehe muss die Entzündung ausheilen. Dies kann sie unter optimalen Bedingungen am besten. Je nach Entzündungsgrad und den Vorschädigungen ist die Gesundungszeit individuell unterschiedlich. Bei optimal physiologisch gut bearbeiteten Hufen kann diese Zeit sehr kurz sein.
Bei unphysiologischen oder sehr deformierten Hufen kann sich ein solcher Zeitraum weitaus länger hinziehen. Während dieser Zeit muss der Huf anfangs in sehr kurzen Abständen physiologisch bearbeitet werden, damit er wieder eine “gesunde” Hufform erreicht.
In der Regel „hängt“ sich der Hufbeinträger beim Abklingen der Entzündungen und der physiologischen Hufbearbeitung wieder ein. Es entsteht wieder eine feste lamellenartige Verbindung. Mit der Wiederherstellung der festen Verbindung findet das Hufbein z.B. nach einer Absenkung i.d.R. auch wieder zu seiner ursprünglich „erhöhten“ Lage zurück.
Bei Seperationen oder Rotationen, die möglicherweise zeitgleich zur Rehe zu einem Hufbeindurchbruch geführt haben, wird u.a. die Hufbeinspitze bei der physiologischen Hufbearbeitung entlastet. So kann sich die Huflederhaut regenerieren und wieder Sohlenhorn produzieren.

Daher kann einer generellen Aussage darüber, ob ein Pferd bei einem Hufbeindurchbruch eingeschläfert werden muss, nur widersprochen werden.

Bis dato konnten alle Pferde, die wegen eines Hufbeindurchbruchs bei uns in stationärer Therapie waren, geheilt/ auf dem Wege der Besserung ihr “altes Zuhause” zurückkehren. In der Regel blieben sie zwischen 2 und 5 Monaten. Die Gesundungszeit ist stark abhängig von den Vorschädigungen am Huf und wie oben dargestellt, der Hufbeindurchbruch meist nur eine Folge anderer Pathologien.